Umgang & Pflege

Umgang

Es sollte von vornherein klar sein, dass sich ein Hamster nicht als Kuscheltier eignet. Trotz bzw. gerade aufgrund seiner geringen Größe ist er nicht als "Spielkamerad" für Kinder geeignet. Außerdem sind Hamster nachtaktive Tiere, wodurch das Kind seinen Hamster nur selten sehen und ggf. nachts durch die Geräusche des Hamsters (z.B. Gitternagen bei zu kleinen Gehegen im Kinderzimmer) gestört werden würde. Tagsüber wecken und dem Hamster einen anderen Schlafrhythmus angewöhnen wollen ist nicht in Ordnung - es kann die Lebenszeit des Hamsters durch den andauernden Stress verkürzen oder zu Agressionen führen.

 

Nach der Anschaffung des Hamsters sollte diesem etwa eine Woche Eingewöhnungszeit gegönnt werden. In dieser Zeit sollte man nur mit dem Hamster sprechen und ihn sich an sein neues Heim gewöhnen lassen. Den Hamster aus dem Gehege nehmen und streicheln zu wollen, wäre zu viel verlangt. Dazu sind viele Hamster sowieso nicht geeignet. Natürlich unterscheidet sich die Eingewöhnungszeit von Tier zu Tier. Manche kommen vom ersten Tag an auf die Hand, wenn man ihnen vorsichtig ein Leckerlie anbietet, andere Tiere brauchen ein halbes Jahr, ehe sie nicht mehr bei jedem Betreten des Raumes erschrecken.

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass einige Hamster nie handzahm werden und manche nicht einmal Futter von der Hand nehmen. Doch gerade bei Hamstern in einer Pflegestelle können Sie den Charakter des Tieres erfragen und so entscheiden, ob der Hamster Ihren Vorstellungen entspricht.

 

Eingewöhnung

Schon während der etwa einwöchigen Eingewöhnung kann man den Hamster bereits langsam an sich gewöhnen. Wichtig ist, dass jeder Kontakt vom Hamster ausgeht und er zu nichts gezwungen wird!

Anfangs kann man mit ihm reden, sodass er sich an die Anwesenheit, den Geruch und die Stimme des Menschen gewöhnt.

Wenn der Hamster auf den Menschen aufmerksam wird und sich nicht vor ihm erschrickt, kann man ihm ein Leckerlie oder Körner aus dem normalen Trockenfutter aus den Fingern anbieten. Dazu sollte man sich dem Hamster mit der Hand von vorn nähern und ihn auf sich zukommen lassen. Die Hand von oben / von hinten / von der Seite könnte den Hamster erschrecken, da er sie so nicht kommen sieht.

Traut sich der Hamster zur Hand und nimmt das angebotene Leckerlie an, wird er vermutlich Interesse an der Hand zeigen und daran schnuppern. Einige Hamster knabbern die Hand an (oder zwicken / beißen sogar), um zu testen, ob sie essbar ist. Dann kann man den Hamster ganz sanft (!) wegschubsen oder vorsichtig (!) anpusten, um ihm zu zeigen, dass das nicht in Ordnung ist. Die meisten Tiere sind aber nicht aggressiv und so ein Futterbiss tut oft nicht einmal weh.

Die Gewöhnung an die Hand kann man damit fortsetzen, dass man z.B. Trockenfutter in die Handfläche legt und den Hamster von dort fressen lässt oder ihn über die flache Hand krabbeln lässt. Man sollte dabei nicht versuchen den Hamster zu packen, da es ihm vermutlich Angst machen würde. Die meisten Hamster sind von Natur aus relativ neugierig, sodass sie von allein öfter auf die Hand zukommen und sie "untersuchen". Man darf natürlich noch nicht erwarten, dass sie voller Freude daraufspringen und brav sitzenbleiben.

Gerade Tieren in Gehegen auf Mindestmaß oder ähnlichen Größen oder einfach sehr neugierigen und aktiven Hamstern wird oft schnell langweilig, sodass sie sich gern mit der Hand beschäftigen, da sie Abwechslung bietet. Krabbeln sie freiwillig auf die Hand, kann man sie in eine Transportbox setzen und in den Auslauf befördern. Auch wenn das Tier noch nicht freiwillig zur Hand kommt, kann man es mit Leckerlies in die Transportbox locken und im Auslauf weiter an den Menschen gewöhnen. Den Hamster per Hand zu transportieren ist viel zu unsicher, die Tierchen sind schneller als man denkt und ein Hamster sollte nicht tief fallen! Daher sollte man einen Hamster auch nie "in der Luft hängend" (also z.B. stehend mit dem Hamster auf dem Arm) an das Festhalten gewöhnen. Anfangs wehren sich die Tiere oft noch, indem sie sich aus der Hand winden, strampeln oder gar zwicken / beißen - fällt der Hamster dann herunter, könnte dies sogar tödlich enden. Daher das Anfassen immer nur im Gehege oder im Auslauf üben, wo der Hamster nicht tief fallen kann.

Lässt man den Hamster dann im Auslauf auf dem Schoß aussteigen oder über die Hand laufen, gewöhnt er sich weiter an den Menschen. Viele Hamster nutzen den Menschen im Auslauf gern als "Klettergerüst" und oftmals sind Tiere im Auslauf einfacher zu "zähmen" als im Gehege - einige zeigen im Gehege nämlich Revierverhalten und dulden den Menschen dort nicht gern.

Wichtig ist, dass der Auslauf hamstersicher ist (keine giftigen Pflanzen, Stromkabel, Gegenstände die der Hamster zwar erklimmen kann, aber von denen er aber tief stürzen kann,...) und dass der Hamster sich nicht beispielsweise hinter Schränken verstecken kann. Vor allem neue / scheue Tiere lassen sich in den meisten Fällen nur schwer wieder hervorlocken und "einfangen". Dem Hamster dann hinterherjagen zu müssen, führt in den seltensten Fällen zu einem guten Verhältnis zum Menschen.

Hat der Hamster erst einmal die Hand mit dem Auslauf oder anderen angenehmen Dingen wie z.B. Futter verbunden, ist die Eingewöhng eigentlich schon gelungen. Kuscheltiere werden Hamster jedoch nie, da viele von ihnen sehr wuselig sind, nicht lange stillhalten wollen und auch nicht wirklich gestreichelt werden möchten.

Hat der Hamster viel Vertrauen zu seinem Menschen aufgebaut, ist meist auch ein Gesundheitscheck oder - falls nötig - eine Medikamentengabe ohne großen Stress möglich.

Natürlich ist der gesamte Prozess sehr stark vom Tier abhängig und man braucht viel Geduld und Zeit und muss sein Vorgehen auf das Tier anpassen. Auch die Einstellung ist wichtig: wenn ich innerhalb eines Tages ein handzahmes Tier fordere und mit dem Hamster sehr ungeduldig bin, wird das eher nichts. Aber wenn man gelassen an die Sache herangeht und ruhig mit dem Tier umgeht, führt das über kurz oder lang meist zum Erfolg. So hat es zumindest hier bei jedem Hamster geklappt ihn zahm zu kriegen und sogar ein "fieser Zwicker" wurde zu einem lieben, handzahmen Tier ohne weitere Beißattacken.

 

Gehegereinigung

Das Streu sollte nie komplett gewechselt werden, außer bei bestimmten Krankeiten (mit dem Tierarzt abklären!), bei Parasitenbefall oder im Todesfall. Stattdessen wird nur die "Pipi-Ecke" gereinigt, also nasse Stellen im Streu werden z.B. mit einer kleinen Schaufel entnommen. Viele Hamster suchen sich zum Urinieren einen Platz aus, den man dann nach Bedarf säubert. Einige Halter reinigen die "Pipi-Ecke" täglich (gerade bei Goldhamstern, die natürlich mehr pinkeln als die kleineren Zwerghamster), andere Halter schauen nur alle paar Monate mal nach dem Rechten, wenn der Hamster unterirdisch im tiefen Streu wohnt und bekannt ist, dass er kein Frischfutter bunkert oder auf das Trockenfutter pinkelt, sodass irgend etwas schimmeln könnte. Gerade bei Zwerghamstern findet man oft gar keine feuchten Stellen, weil sich der Urin im Streu verteilt (Voraussetzung ist hier natürlich immer ein Gehege mit durchgängig hoher Streutiefe von 20 cm und mehr).

Viele Hamster machen auch ins Laufrad. Dieses sollte man dann jede Woche (oder bei Bedarf öfter) mit heißem Wasser durchspülen, vor allem bei Plastikrädern ist das schnell gemacht.

Manche Hamster pinkeln auch in ihr Sandbad. Meist verklumpen die nassen Stellen und man kann sie einfach mit einer kleinen Schaufel entfernen und / oder den Sand mit einem Sieb von Futterresten befreien. Den gereinigten Sand kann man wiederverwenden und muss nur bei Bedarf wieder mit neuem Sand auffüllen.

Bei vielen Hamstern wird man sogar zwischen den Futtervorräten Kot finden. Dies ist nicht weiter bedenklich und muss auch nicht entfernt werden, da der Kot austrocknet und für den Hamster nicht weiter störend ist. Im Gegenteil, sie markieren damit ihr Revier und so eben auch ihre Vorräte. Als Mensch muss man sich daran vielleicht erst einmal gewöhnen, man sollte aber deswegen nicht das Nest zerstören, sondern alles so lassen. Ein ständiges Entfernen und "Reinigen" der Vorräte würde enormen Stress für das Tier bedeuten und ist zudem unnötig.

Alle paar Monate kann man wenn nötig eine Teilreinigung durchführen, also die obere Streuschicht und das Streu um das Nest herum wegnehmen und erneuern. Bei genügend tiefer Einstreu ist das untere Streu nicht wirklich verschmutzt und muss daher nicht gewechselt werden.

Bei vielen Hamstern ist solch eine Teilreinigung jedoch unnötig, da die meisten bei genügend Streutiefe sehr ordentlich sind und das Streu selbst "umschichten", sodass nirgendwo wirklich dreckige / nasse Stellen entstehen. Nur die "Pipi-Ecke" muss dann nach Bedarf gereinigt werden.

 

Nestkontrolle

Man sollte regelmäßig das Nest des Hamsters, also den Ort an dem er schläft, kontrollieren. Am besten macht man das natürlich, wenn der Hamster gerade nicht dort, sondern bereits wach und im Auslauf ist. Einfach tagsüber das Dach zu klauen ist nicht in Ordnung, denn Hamster sollten generell nicht tagsüber geweckt werden (außer man muss zum Tierarzt o.ä.). 

Dabei kann man eventuell direkt nasses Streu entfernen und nach gebunkertem Frischfutter schauen. Dieses muss entfernt werden, damit es nicht schimmelt. Trockenfutter dagegen lässt man im Nest, da das der Vorrat des Hamsters ist. Findet man Kot zwischen dem Trockenfutter, ist dies nicht weiter bedenklich und sollte so gelassen werden - die Gründe dafür habe ich oben schon genannt.

Schläft der Hamster an einer nur schwer zugänglichen Stelle oder ist sehr scheu und man weiß, dass er kein Frischfutter bunkert und relativ reinlich ist, kann man die Nestkontrolle auch in großen Abständen durchführen. Bei durchgängig hohem Streu (20 cm und mehr) reicht es bei reinlichen Hamstern oftmals aus, alle paar Monate zu kontrollieren. Spätestens wenn es anfängt zu riechen, sollte man allerdings mal nach dem Rechten schauen!

 

Gesundheits-Check

Wenn möglich sollte der Hamster einmal wöchentlich auf Auffälligkeiten hin untersucht werden. Fallen einem z.B. struppiges Fell, häufiges Kratzen, unangenehmer Geruch, Blut, Knubbel am Körper oder sonstige Anzeichen für Krankheiten auf, muss der Hamster einem (hamsterkundigen) Tierarzt vorgestellt werden. Für einige Hamster bedeutet das großen Stress, aber lieber einmal mehr zum Tierarzt als einmal zu wenig. Stress ist für den Hamster nicht so schlimm wie eine unentdeckte Erkrankung!

Hamster verstecken, wie viele andere Beutetiere auch, ihre Krankheiten über lange Zeit sehr gut. Dies tun sie, weil sie in der Natur den Fressfeinden natürlich nicht zeigen dürften, wie schwach sie sind.

Eine ausführliche Beschreibung zum Gesundheits-Check ist hier zu finden; die häufigsten Hamsterkrankheiten mit Symptomen gibt es hier.

Ansonsten kann der Hamster beim (möglichst) täglichen Auslauf und im Gehege beobachtet werden - auch so können einem schon viele Dinge auffallen.